Suchtmedizin und Substitution
Einführung
Laut der Bundesvereinigung für Prävention und Gesundheitsförderung e.V. sind ca. 1,6 Mio. Millionen Menschen in Deutschland alkoholabhängig. Rund 13,3 % aller Todesfälle in Deutschland im Jahr 2018 sind auf die Folgen des Rauchens zurückzuführen. Und von ca. 200.000 Menschen in Deutschland gilt das Glücksspielverhalten als krankhaft.
Bei allen geht es um ein Suchtverhalten bzw. dem Konsum von Suchtmitteln. Die Palette an stoffgebundenen und nicht-stoffgebundenen Süchten ist groß und wächst stetig weiter, häufig werden Menschen aufgrund ihres Suchtverhaltens aus ihrem Leben gerissen. Hilfe von extern ist da nicht nur wünschenswert, sondern notwendig. Neben verschiedenen Institutionen wie Suchtberatungsstellen und Sucht-Selbsthilfe-Verbänden, kommt auch Ärztinnen und Ärzten hierbei eine größere Rolle zu. Suchterkrankungen erfordern besondere Qualifikationen von Ärztinnen und Ärzten in der Grundversorgung.
Diese Qualifikationen werden über die Zusatzweiterbildung Suchtmedizinische Grundversorgung vermittelt. Ziel hinter dieser Weiterbildung ist die Prävention, Diagnostik, Therapie und Frührehabilitation von Suchterkrankungen. Ärztinnen und Ärzte sollen befähigt werden, betroffene Patientinnen und Patienten früher zu erkennen, sie mit geeigneten Gesprächstechniken und Kurzinterventionen frühzeitig auf Probleme anzusprechen und zu einer Behandlung zu motivieren, diese selbst durchzuführen oder an eine geeignete suchttherapeutische Einrichtung zu überweisen
Ärztinnen und Ärzte in Weiterbildung der Fachrichtungen Allgemeinmedizin, Innere Medizin, Neurologie sowie Psychosomatische Medizin und Psychotherapie, können die Weiterbildung absolvieren und werden zudem durch die KV Hessen gefördert. Wünschenswerterweise sollten sich die Ärztinnen und Ärzte in Weiterbildung bereits im letzten Drittel der Weiterbildung befinden.
Hier geht es zu den Informationen zur Zusatzweiterbildung Suchtmedizinische Grundversorgung
1945 wurde Methadon als Analgetikum entwickelt und sodann zur Behandlung Opioidabhängiger genutzt. In Deutschland ist es seit gut 20 Jahren als Substitutionsmittel zugelassen. Die Geschichte von Substanzen der Opiat-Typen geht jedoch sehr viel weiter in die Vergangenheit zurück. Zu Beginn des 20. Jahrhunderts war Opium bereits in Apotheken erhältlich und wurde für vielerlei Beschwerden genutzt, unter anderem auch zur Ruhigstellung kleiner Kinder. Unlustgefühle, Abgeschlagenheit und Hunger werden aufgehoben, zudem wirkt es entängstigend, sedierend und schlafanstoßend. Wirkungen, welche schnell in eine Abhängigkeit führen können.
Aktuell gibt es in Deutschland schätzungsweise ca. 165.000 Heroinkonsumierende, wovon jedoch nur 81.000 mit einer Substitutionsbehandlung erreicht werden.
Mit der Substitutionsbehandlung wird eine Opioidabhängigkeit (bsp. Heroin) therapiert. Die Patientin bzw. der Patient erhält dabei Ersatzstoffe (Substitute), welche unter anderem Entzugserscheinungen vermeiden. Hierdurch kann die gesundheitliche Lebensqualität verbessert und die soziale und berufliche Rehabilitation unterstützt werden.
Hinter der Behandlung steckt eine komplexe und individuelle Strategie. Unter ärztlicher Betreuung erfolgt die Ein- bzw. Umstellung auf Methadon in kleinen Schritten. Die Patientin bzw. der Patient muss ihren bzw. seinen Beikonsum sofort einstellen oder schrittweise reduzieren. Regelmäßige körperliche Untersuchungen und Labortests sind notwendig, zusätzliche unregelmäßige Screenings, um einen möglichen Beikonsum von Drogen zu entdecken, sind ebenfalls notwendig. Neben der substitutionsmittelgestützten Behandlung spielt aber auch eine psychosoziale Betreuung eine wichtige Rolle. In enger Zusammenarbeit müssen hier Ärztin bzw. Arzt, Patientin bzw. Patient als auch weitere suchttherapeutische Einrichtungen und Beratungsstellen zusammenwirken.
Hier geht es zu weiterführenden Informationen und entsprechenden Antragsformularen
Die Kampagne 100.000 Substituierte bis 2022 wurde ins Leben gerufen, um die Substitution zu stärken und bis Ende des Jahres mind. 60 % der Opioidabhängigen eine Substitutionsbehandlung anbieten zu können.
Die Zahl der substituierenden Ärztinnen und Ärzte sinkt derzeit stetig, was unter anderem auch demografisch bedingt ist. Mit der Kampagne sollen junge Medizinerinnen und Mediziner für die Tätigkeit begeistert werden. Für mehr Informationen zur Tätigkeit als Suchtmedizinerin bzw. -mediziner, sehen Sie sich gerne das oben verlinkte Video an.
Bei Fragen zur Thematik, Weiterbildung und Kampagne stehen Ihnen die Kolleginnen der Abteilung Qualitätssicherung zur Verfügung. Die Kontaktdaten finden Sie im nebenstehenden Feld. Natürlich können Sie sich auch immer an das Team des Ärztlichen Kompetenzzentrum wenden.