„Praxis.erleben!“ – live, vor Ort und in Farbe

„Praxis.erleben!“ – live, vor Ort und in Farbe

Niederlassen!

Echte Einblicke gibt’s nur im echten Leben. Deshalb nehmen wir euch jetzt mit in die Praxis. Wir zeigen euch, was es heißt, als Arzt jeden Tag für die Menschen und ihre Probleme, aber natürlich auch für ihre Krankheiten da zu sein.

Von kleinen Wehwehchen bis zum großen Check-Up – als selbstständiger Arzt ist man jeden Tag mit den verschiedensten Herausforderungen konfrontiert. Damit ihr euch jetzt schon einen ersten Eindruck vom Alltag eines praktizierenden Arztes machen könnt, bringen wir euch in verschiedene Praxen in ganz Hessen und ermöglichen euch so einen ersten intensiven Einblick.

Erlebt, was es bedeutet in einer Landarztpraxis zu arbeiten, schaut verschiedenen Ärzten einer Gemeinschaftspraxis über die Schultern und besucht einen hochmodernen Praxisneubau.

Macht euch ein eigenes Bild auf der „Praxis.erleben!“-Tour am 14.11.2017 in diesen Praxen:

Die Tour startet am 14.11.2017 in Gießen und ist für euch selbstverständlich kostenlos und all-inclusive. Das heißt für Transport, Transfer aus Frankfurt und Marburg nach Gießen, sowie die Verpflegung sorgen wir!

Du willst dich anmelden? Als Teil des MedWisser Teams ist das kostenlos möglich.

Hier geht’s zu weiteren Infos und der Anmeldung.

Die große Chance für den Ärztenachwuchs

Die große Chance für den Ärztenachwuchs

Allgemein Niederlassen!

Medizinstudierende von heute werden gebraucht, um den drohenden Ärztemangel von morgen zu verhindern.

Sicher habt auch ihr es schon mitbekommen: Die ambulante Versorgungslage in Hessen (und in Deutschland) wird sich in den nächsten Jahren verschlechtern, bis zum Jahr 2030 sogar dramatisch zuspitzen. Es drohen Ärztemangel und Unterversorgung – vor allem in den ländlicheren Gebieten. Zu dieser Prognose kommt unsere neue Publikationsreihe FOKUS: GESUNDHEIT (Download).

Wie aber ist es möglich, dass wir in Hessen trotz konstant wachsender Zahl der Medizinstudierenden in den nächsten Jahren zu wenige Ärztinnen und Ärzte haben? Ganz einfach: Immer weniger Nachwuchsärztinnen und -ärzte möchten, z. B. als Allgemeinmedizinerin oder -mediziner, in die ambulante Versorgung gehen. Sich mit einer eigenen Praxis niederzulassen oder als angestellter Haus- oder Facharzt zu praktizieren, ist für viele leider keine Option. Und das, wo der Bedarf an ambulanter Versorgung beinahe von Jahr zu Jahr größer wird. Ein weiterer wichtiger Aspekt: Die Medizin ist und wird zunehmend weiblich. Das seht ihr, wenn ihr euch in den Hörsälen umschaut. Und das wiederum bedeutet, dass Themen wie Teilzeitarbeit und Vereinbarkeit von Familie und Beruf eine noch größere Rolle spielen als bisher.

Ohne Nachwuchs keine Praxen

Ihr, die Ärztinnen und Ärzte von morgen, werdet also dringend gebraucht. Wie dringend, macht eine Zahl aus dem hausärztlichen Bereich deutlich: 65 Prozent, also etwa sieben von zehn derzeitigen Praxisinhaberinnen und -inhabern, werden sich bis 2030 zur Ruhe setzen. Im Idealfall geben sie ihre Praxen an eine junge Nachfolgerin oder einen jungen Nachfolger ab. Und genau da kommt ihr ins Spiel.

Sicher, bis zum Jahr 2030 ist es noch eine ganze Weile hin. Und während eures Studiums habt ihr bestimmt erst einmal andere Sorgen. Aber: Ihr seid die nächste Ärztegeneration. Durch euch ist es möglich, die Versorgung in allen Regionen Hessens auch in den nächsten Jahren sicherzustellen.

Eigener Chef(-arzt) sein

Auch wenn ihr euch im Moment noch nicht vorstellen könnt, beispielsweise als Facharzt für Allgemeinmedizin zu praktizieren, solltet ihr wissen, dass die Situation für euch eine große Chance ist. Der Hausarztjob hat nämlich eine Menge zu bieten und ihr werdet Teil einer immer begehrteren, weil selteneren Berufsgruppe: Ihr könnt euer eigener Chef(-arzt) sein und habt die wirklich tolle Gelegenheit, eure Patienten über einen langen Zeitraum zu begleiten und eine enge Arzt-Patienten-Beziehung aufzubauen. Ihr habt es mit vielfältigen Krankheitsbildern zu tun und steht jeden Tag vor neuen Herausforderungen. Und, ihr verdient als Hausarzt wirklich gutes Geld. Über 220.000 Euro waren es durchschnittlich im Jahr 2015 in Hessen an Honorarumsatz. Ganz ohne Nacht- und 24-Stunden-Schichten.

Außerdem werdet ihr natürlich die Möglichkeit haben, euch unter super geführten und wirtschaftlich erfolgreichen Praxen die passende herauszusuchen. Noch dazu habt ihr wahrscheinlich die freie Wahl, wo in Hessen ihr euch niederlassen möchtet. Denn – ob Praxisübernahme oder Neugründung – in den nächsten Jahren warten viele freie Arztsitze auf euch.

Klingt gut, eine Praxis auf dem Land könnt ihr euch aber so gar nicht vorstellen? Dann überlegt doch einfach mal, was eigentlich dagegen spricht. Hat so eine Praxis nicht auch echte Vorteile? Sie hat! So ist beispielsweise die Konkurrenzsituation, sagen wir mal, ein wenig komfortabler, als in Frankfurt, Kassel oder Darmstadt. Denn während in den Großstädten die nächste Arztpraxis direkt um die Ecke ist, seid ihr in der Kleinstadt vielleicht sogar die einzige Ärztin bzw. der einzige Arzt. Und die Patienten werden nicht weniger. Kurzum: Eine „Landarztpraxis“ ist in vielerlei Hinsicht viel attraktiver, als die meisten von euch glauben.

 

Viele Informationen rund um die Niederlassung findet ihr auch in unserer Broschüre „Lass dich nieder!“ (Download).

Hausärzte braucht das Land

Hausärzte braucht das Land

Niederlassen!

Die bundesweite Medizinerdichte nimmt zu, und das seit vielen Jahren. 4,1 praktizierende Ärzte pro 1.000 Einwohner waren es zuletzt. Das zeigt der kürzlich vom Wissenschaftlichen Institut der AOK (WIdO) veröffentlichte Ärzteatlas 2016.

Die Zahlen stimmen also. Doch wo sind die Ärzte eigentlich niedergelassen? Auffällig ist, dass sich immer mehr Fach- und Hausärzte in den Großstädten tummeln. Beliebte Orte für eine Niederlassung sind pulsierende Städte wie Berlin, München, Hamburg oder auch Frankfurt. Kurzum: Die große Mehrheit der berufstätigen Ärzte lebt und praktiziert in den Ballungsgebieten. Auch den Medizinernachwuchs zieht es verstärkt in die Metropolen, also dorthin, wo auch außerhalb der Praxis etwas geboten ist. Nicht umsonst ist die sogenannte Work-Life-Balance in aller Munde – auch bei Ärzten. Das gilt insbesondere für den steigenden Anteil junger Ärztinnen, die neben ihrer ärztlichen Tätigkeit oftmals auch eine Familie gründen möchten.

Schwierige Nachfolgersuche

Wie aber sieht es in den ländlichen Region Deutschlands aus, wenn immer mehr Mediziner den Weg in die Stadt suchen? Die Situation ist zumindest nicht einfach. Insbesondere im hausärztlichen Bereich, in dem rund ein Drittel der Ärzte mindestens 60 Jahre alt ist, gestaltet sich die Suche nach möglichen Praxisnachfolgern immer schwieriger. Denn zum einen hält die heranwachsende Medizinergeneration das Leben auf dem Land für wenig attraktiv und zum anderen können sich immer weniger Medizinstudierende und junge Ärzte überhaupt eine Tätigkeit als Allgemeinmediziner bzw. Hausarzt vorstellen. Dabei ist ärztlicher Nachwuchs in den kommenden Jahren vor allem in diesen Bereichen notwendig.

Für Allgemeinmedizin begeistern

Die KV Hessen versucht daher, Studierende an den Universitäten in Hessen und Nachwuchsärzte für die Allgemeinmedizin zu begeistern. Dazu hat die KV bereits vor drei Jahren die Kampagne „Arzt in Hessen – Sei Arzt. In Praxis. Leb Hessen.“ ins Leben gerufen. Mit verschiedenen Veranstaltungen, Aktionen und Informationsmaterialien sollen die jungen Mediziner über die Situation in der Allgemeinmedizin aufgeklärt und für eine spätere Niederlassung als Hausarzt gewonnen werden. Weitere Angebote wie die neue Förderung der Famulatur in einer hausärztlichen Praxis oder das Doc’s Camp sollen ebenfalls dabei unterstützen, dass auch die allgemeinmedizinische Versorgung weiterhin überall gesichert ist.

Hier gibt es den Ärzteatlas 2016 zum Download.

Mehr als Omas Liebling

Mehr als Omas Liebling

Niederlassen!

„Nur Hausarzt?“ –  Fachärzte für Allgemeinmedizin bekommen manchmal Vorurteile ihrer Kollegen zu spüren. Dr. Carina Strube kann über solche Kommentare locker weghören, denn sie ist Hausärztin aus Überzeugung. In Selters teilt sie sich mit zwei Kollegen eine hausärztliche Gemeinschaftspraxis. Wir haben mit ihr über ihren Beruf als Berufung, die Vereinbarkeit von Arbeit und Familie und die Herausforderungen als Landarzt gesprochen.

Hausärztin zu werden, ist das von Anfang an Ihr Ziel gewesen, als Sie das Studium begonnen haben?

Carina Strube: Zuerst habe ich überlegt, Biologie zu studieren. Aber ich wollte auch immer schon mit Menschen arbeiten und meine Zeit nicht im Labor verbringen.

Ist die Arbeit als Hausärztin auch Typsache?

Carina Strube: Wie gesagt, ich mag die Arbeit mit und am Menschen. Hausärztin kann man nicht nur der Medizin wegen werden. Ich muss eine Mischung aus Ärztin, Sozialarbeiterin, Pädagogin, Eheberaterin und Mädchen für alles sein. Ich habe auch schon der alten Dame, die partout wegen ihres Wellensittichs nicht ins Krankenhaus wollte, zwei Wochen lang den Vogel gefüttert, damit sie sich auf die nötige Operation einlässt. Hausärzte haben eine enge Bindung zu ihren Patienten. Wie oft könnte ich mich eigentlich nur auf die zu behandelnden Kopfschmerzen oder die Schlaflosigkeit konzentrieren? Aber ich muss den Patienten in seiner Gesamtheit sehen. Und wenn im Laufe des Gesprächs herauskommt, dass es in der Ehe Probleme gibt oder man im Job überlastet ist, hat das auch Einfluss auf die Behandlung. So zu arbeiten, das muss man wollen, und nicht jeder ist ein Typ dafür.

Ihre Praxis in Selters ist eher in einer ländlichen Region. Unterscheiden sich Ihre Patienten von denen zum Beispiel in Frankfurt oder Kassel?

Carina Strube: In den Städten, wo es mehr Ärzte gibt, ist wahrscheinlich die Rate beim „Arzthopping“ höher – und die Arzt-Patienten-Bindung in vielen Fällen nicht so ausgeprägt. Dadurch, dass der Ort weniger anonym ist, sieht man sich auch öfter außerhalb der Praxis. Beim Einkaufen oder Laufen kennt mich jeder. Der ganze Ort kennt meine Familie. Ich mag das aber und gehe deshalb nicht drei Orte weiter einkaufen oder laufe woanders.

Und wie werden Sie von Kollegen der anderen Fachgruppen wahrgenommen?

Carina Strube: In der Kollegenschaft herrscht sicherlich das eine oder andere Vorurteil gegenüber uns Allgemeinmedizinern. Da heißt es schon mal: „Ach, du bist nur Hausärztin?“. Ich stehe drüber. Wir sind oft der wichtigste Arzt für die Menschen. Ich sage immer: „An nichts stirbt es sich so leicht wie an einem schlechten Hausarzt.“ Was wir nicht entdecken, bekommt der Facharzt oft gar nicht zur Behandlung zu Gesicht. Wenn ich nicht erkenne, dass das Kribbeln in der rechten Hand ein Schlaganfall ist und nichts mit der Halswirbelsäule zu tun hat und meinen Patienten entsprechend überweise, gibt es auch keinen Neurologen, der den Schlaganfall behandeln kann.

Sie sind verheiratet und Mutter einer zweieinhalb Jahre alten Tochter. Wie verbinden sich bei Ihnen Berufs- und Privatleben?

Carina Strube: Die Gemeinde Selters ermöglicht uns einen Krippenplatz, obwohl wir nicht unmittelbar hier wohnen. Ich habe es so organisiert, dass mein Kind auch darüber hinaus betreut ist. Ein Balanceakt wird es, wenn die Kleine krank wird oder etwas Unvorhergesehenes passiert. Meine Schwiegereltern wohnen in der Nähe und können mal einspringen, aber das klappt auch nicht immer.

War das so für Sie abzusehen?

Carina Strube: Meine persönliche Familienplanung sah mal drei Kinder vor. Daran ist nicht mehr zu denken, nachdem ich hier den Vertragssitz übernommen habe. Und ich kann und will meinen Patienten nicht sagen, dass ich mich ein, zwei Jahre verabschiede und sie einem Vertreter überlasse. Ich würde in der Zeit sicherlich einige Patienten verlieren. Aber: Ich hadere nicht mit meinem Beruf und der Situation! Hausärztin ist für mich der absolute Traumjob. Deshalb habe ich mein Lebens- und Familienmodell so gewählt.

Das heißt, Sie werden auch längerfristig dem ländlichen Praxisalltag treu bleiben?

Carina Strube: Meine Kollegin Dr. Engels und ich stehen noch am Anfang unserer Zeit als niedergelassene Ärzte. Wir bekommen mit, dass unsere Patienten glücklich sind. Und das bringt man uns auch entgegen. An dieser Situation möchte ich nichts ändern.