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Das Praktische Jahr - häufig gestellte Fragen

Das Praktische Jahr ist einer der wichtigsten Abschnitte im Medizinstudium. Daher haben wir dir einige Antworten auf die häufigsten Fragen rund um dieses Thema zusammengestellt. Sie sollen dir helfen, einen Eindruck zu gewinnen, was dich im Praktischen Jahr erwartet. Genaue Informationen z. B. zu Voraussetzungen, Anmeldung oder wichtigen Terminen erhältst du an deiner Hochschule bzw. der Hochschule, an der du dein Praktisches Jahr absolvieren möchtest. Bitte erkundige dich rechtzeitig vor Ort zu den Details!

Was möchtest du wissen?

Das Praktische Jahr bildet den letzten Abschnitt des Medizinstudiums. In diesem Ausbildungsabschnitt steht die Ausbildung an Patienten im Mittelpunkt. Du vertiefst und erweiterst also die während des vorhergehenden Studiums erworbenen ärztlichen Kenntnisse, Fähigkeiten und Fertigkeiten und sammelst Praxiserfahrung.

Das Praktische Jahr findet im letzten Jahr des Medizinstudiums statt, nachdem du den zweiten Abschnitt der Ärztlichen Prüfung (schriftlicher Teil) bestanden hast. Es gliedert sich in drei Ausbildungsabschnitte (Tertiale) von je 16 Wochen:

  1. Innere Medizin
  2. Chirurgie
  3. Allgemeinmedizin oder eines der übrigen klinischpraktischen Fachgebiete

Je nachdem, an welcher Universität du das Praktische Jahr absolvierst, musst du die 16 Wochen am Stück ableisten oder kannst das Tertial in zwei mal acht Wochen aufsplitten. Dies hat den Vorteil, dass du dadurch mehr Stationen kennenlernen oder die Hälfte eines Tertials im Ausland absolvieren kannst. Eine Aufsplittung solltest du unbedingt vorab mit dem zuständigen Landesprüfungsamt abstimmen.

Um für das Praktische Jahr zugelassen zu werden, musst du den Zweiten Abschnitt der Ärztlichen Prüfung (schriftlicher Teil) bestanden haben. Um an dieser Prüfung teilnehmen zu können, muss der klinische Teil des Medizinstudiums komplett absolviert worden sein.

Deine Heimatuniversität muss dir einen Platz für das Praktische Jahr gewähren. Wenn du eine positive Antwort und einen Praktikumsplatz in einer Klinik erhältst (in der Regel innerhalb ca. eines Monats nach Beantragung), hast du etwa ein bis zwei Wochen Zeit, um den Platz anzunehmen oder abzusagen.

Während des gesamten Praktischen Jahres hast du 30 Fehltage. Davon kannst du maximal 20 Tage in einem der drei Abschnitte nehmen. Unter dem Begriff „Fehltage“ subsumieren sich sowohl Urlaubstage als auch krankheitsbedingte Fehltage. Beliebt ist es, 20 der 30 Fehltage bis zum Schluss aufzuheben, um mehr Zeit zum Lernen zu haben und mögliche Erkrankungen gegen Ende abzupuffern. Aus diesem Grund ist es sinnvoll, dein Wahlfach nicht in das dritte Tertial zu legen, da dieses dann das kürzeste ist. In der Regel ist das Wahlfach nämlich der Bereich, in dem du später auch beruflich arbeiten möchtest (es sei denn, du möchte Internist oder Chirurg werden).

Urlaubstage sind während des Praktischen Jahres nicht vorgesehen.

Den dritten und letzten Abschnitt der Ärztlichen Prüfung (mündlich-praktisch) absolvierst du nach dem erfolgreich abgeschlossenen Praktischen Jahr. Er wird von den medizinischen Fakultäten organisiert.

Aktuell gibt es keine gesetzliche Pflicht, eine Vergütung für das Praktische Jahr zu bezahlen. Es gibt lediglich eine festgelegte maximale Aufwandsentschädigung, die aktuell 597 EUR pro Monat beträgt. Da aber keine einheitliche Regelung vorliegt, gibt es Kliniken, die dir gar keine Aufwandsentschädigung zahlen und andere, von denen du den Maximalbetrag erhältst.

Die Kassenärztliche Vereinigung Hessen (KVH) fördert Medizinstudierende im Praktischen Jahr (PJ) mit 595 Euro pro Monat bei Vollzeit-Ausbildung (insgesamt 2.380 Euro für die Dauer des Wahl-Tertials).

Medizinstudierende können bei der KVH einen Antrag auf Förderung des Praktischen Jahres stellen. Dabei ist der Zeitpunkt wichtig: Den Antrag reichst du während des Wahl-Tertials und vor Aufnahme der Tätigkeit in der akkreditierten akademischen Lehrpraxis gemeinsam mit folgenden Unterlagen bei der KVH ein:

  • Immatrikulationsbescheinigung einer deutschen Universität
  • Bescheinigung über die erfolgreiche Ablegung des Zweiten Abschnitts der Ärztlichen Prüfung
  • Bestätigung durch eine akkreditierte akademische Lehrpraxis im Geltungsbereich der KVH über die Ableistung des Wahl-Tertials.

Mehr Informationen dazu gibt es auf der Website der KV Hessen!

Steuerrechtlich handelt es sich bei der Aufwandsentschädigung um Einkünfte aus nichtselbstständiger Arbeit. Diese unterliegen der Steuerpflicht. Entscheidest du dich für ein Lehrkrankenhaus, das eine Aufwandsentschädigung zahlt, erhältst du im Normalfall einen Personalbogen, auf dem du verschiedene Angaben zur korrekten Abrechnung durch das Krankenhaus machen musst. Die gute Nachricht: Bis zu einem Monatslohn von 889 Euro zahlst du in der Steuerklasse I keine Lohnsteuer. Hast du während des Praktischen Jahres also keine weiteren steuerpflichtigen Einkünfte, kommt dir die Aufwandsentschädigung zu 100 % zugute und auch nachträglich musst du keine Steuern zahlen. Es werden dir ebenfalls keine Sozialversicherungsbeiträge wie zur Rentenversicherung oder Arbeitslosenversicherung von der Aufwandsentschädigung abgezogen.

Als Studierende oder Studierender im Praktischen Jahr musst du dich – wie in den Semestern davor – an der Uni zurückmelden. Dies gilt insbesondere für das letzte Semester (im Regelfall das zwölfte). Auch wenn du zu dieser Zeit im Ausland oder an einem Akademischen Lehrkrankenhaus bist, solltest du die Rückmeldung deshalb nicht vergessen.

Grundsätzlich hast du drei Möglichkeiten, wo du das Praktische Jahr absolvieren kannst:

  • Deine Heimatuniversität
  • Eine externe Universität deiner Wahl in Deutschland
  • Eine externe Universität deiner Wahl im Ausland

Für Medizinstudierende hat die Kassenärztliche Vereinigung Hessen eine Liste mit Lehrpraxen in Gießen und Marburg zusammengestellt. Die Übersicht der Lehrpraxen in Frankfurt stellt das Institut für Allgemeinmedizin der Johann Wolfgang Goethe-Universität Frankfurt am Main zur Verfügung.

Frankfurt: https://www.allgemeinmedizin.uni-frankfurt.de/106004742/PJ#a_106004742-03eae9c2

Gießen: https://www.kvhessen.de/studium/praktisches-jahr/

Marburg: https://www.uni-marburg.de/fb20/allgprmed/lehre/pjallgmed

Seit 2006 ist es möglich, das Praktische Jahr in der Allgemeinmedizin in einer Hausarztpraxis zu absolvieren, wenn diese als allgemeinmedizinische Lehrpraxis zugelassen ist. Dies hat den Vorteil, dass du hier eine Eins-zu-eins-Betreuung durch die Lehrärztin bzw. den Lehrarzt erlebst. Oftmals ermöglicht dies eine besonders intensive Betreuung und einen großen Lernzuwachs. Zudem kommt es zu vermehrtem direkten Patientenkontakt und eigenständiges, verantwortliches Handeln wird gefördert.

Seit Änderung der Approbationsordnung im Juli 2012 kannst du das Praktische Jahr an allen Lehrkrankenhäusern in Deutschland absolvieren. Das heißt für dich, dass du nicht auf ein Bundesland oder eine bestimmte Fakultät beschränkt bist. Es muss kein Tertial an der Heimatuniversität durchgeführt werden.

Folgende Unterlagen musst du abhängig von deiner Universität entweder beim Studiendekanat oder direkt beim jeweiligen Landesprüfungsamt einreichen:

  • Antragsformular Praktisches Jahr
  • Antrag auf Zulassung zum Zweiten Abschnitt der Ärztlichen Prüfung bzw. Zeugnis des Zweiten Abschnitts der Ärztlichen Prüfung, wenn bereits vorhanden
  • Antrag auf Überprüfung erbrachter Leistungsnachweise bzw. Scheine des klinischen Studienabschnitts
  • Famulaturbescheinigungen (Anrechnungsbescheid des Landesprüfungsamtes über Famulaturen)
  • Physikumszeugnis

Hast du den Antrag vollständig und fristgerecht eingereicht, erhältst du den Zulassungsbescheid für das Praktische Jahr.

Die Bewerbung auf einen externen Platz erfolgt in der Regel online per E-Mail oder über Formulare auf der Website der jeweiligen Universität. Oft gelten für externe Bewerberinnen und Bewerber sehr kurze Fristen. Deshalb solltest du dich entsprechend frühzeitig informieren. Wie beschrieben ist die Anzahl der Plätze pro Lehrkrankenhaus begrenzt. Sie ist aber in der Regel ausreichend für alle Bewerber. Dennoch ist es möglich und sinnvoll, dich an verschiedenen Lehrkrankenhäusern und auch zur Sicherheit an der Heimatuniversität zu bewerben.

Inzwischen ist es möglich, das Praktische Jahr in Teilzeit mit 50 % oder 75 % zu absolvieren. Die Gesamtzeit des Praktischen Jahres verlängert sich dann entsprechend.

Deine Krankenversicherung kann durch die geringe oder nicht vorhandene Aufwandsentschädigung in fast allen Fällen unverändert weitergeführt werden. Die Personalabteilung des Lehrkrankenhauses wird hierzu wahrscheinlich nur eine Studienbescheinigung von dir verlangen.

Die Universität, an der du das Praktische Jahr absolvierst, stellt dir ein Logbuch zur Verfügung. Das Logbuch ist ein Ausbildungsplan zur Dokumentation des Praktikums und der Ausbildung. Es gibt jeweils eine Logbuchversion pro Fachbereich, d. h. für zum Beispiel die Allgemeinmedizin, die Anästhesie oder die Neurologie gibt es unterschiedliche Logbücher. Am Ende des Tertials musst du das ausgefüllte Logbuch in der Klinik abgeben. Im Gegenzug bekommst du von der Klinik die Bescheinigung über die Zeit, die du dort abgeleistet hast.

Alexander Kowalski

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