Hausarztfamulatur – Das musst du wissen!

Hausarztfamulatur – Das musst du wissen!

Endlich Zeit für Praxis – Hausarztpraxis! Auch wenn die Hausarztfamulatur für viele nicht zu den liebsten Praxisstationen gehört, so ist sie doch Pflicht und ihr solltet die Chance nutzen, einmal unverbindlich in den Bereich Allgemeinmedizin bzw. hausärztliche Grundversorgung einzutauchen. Selbst wenn ihr euch später für eine Laufbahn in der Klinik entscheidet, könnt ihr hier viel lernen und ein grundlegendes Verständnis für Praxisabläufe erwerben. Denn in vielen Fachgebieten ist die Zusammenarbeit mit Hausärzt*innen wichtig für die optimale Versorgung von Patient*innen.  

Rechtliche Vorgaben der Hausarztfamulatur

Seit Änderung der Approbationsordnung vor einigen Jahren ist eine Famulatur im hausärztlichen Versorgungsbereich für alle Medizinstudierenden Pflicht. Im Klartext heißt das: Wer in Deutschland Ärzt*in werden möchte, der muss nachweisen, dass im klinischen Teil des Studiums vier Wochen in diesem Bereich hospitiert wurde. Nur dann ist eine Zulassung zur Zweiten Ärztlichen Prüfung (Hammerexamen) möglich.

Lernziele der Hausarztfamulatur

Warum eigentlich eine Hausarztfamulatur? Die Idee dahinter ist ganz einfach: Medizinstudent*innen sollen die Chance haben, die Freude an der Allgemeinmedizin zu entdecken und sie vielleicht sogar als ernsthafte berufliche Option in Erwägung zu ziehen. Fakt ist nämlich: In den nächsten Jahren gehen tausende von niedergelassenen Allgemeinmedziner*innen in den Ruhestand und Hessen bzw. ganz Deutschland droht eine hausärztliche Mangelversorgung. Mit der Hausarztfamulatur gibt es also die unverbindliche, aber verpflichtende Chance, einfach mal in das Tätigkeitsfeld hineinzuschnuppern und vielleicht ein Interesse daran zu entwickeln. Denn nur wer etwas ausprobiert, kann auch wirklich sagen, dass es nichts für sie oder ihn ist, oder?

Zeitpunkt und Durchführungsort der Hausarztfamulatur

Wann und wo ihr die Hausarztfamulatur durchführt, bleibt euch weitestgehend selbst überlassen. Wer sich noch nicht bereit für die Klink fühlt, wählt sie vielleicht als erste Famulatur zu Beginn des klinischen Studienteils. Genauso kann es sinnvoll sein, sie ans Ende zu setzen, wenn ihr konkrete Vorstellungen davon habt, was ihr in eurer Zeit in einer hausärztlichen Praxis lernen möchtet. Wichtig ist, dass die Famulatur rechtzeitig vor dem Hammerexamen beendet ist (Bescheinigung nicht vergessen!).

Es bietet sich an, die vierwöchige Phase in der vorlesungsfreien Zeit zu absolvieren. Bedenkt nämlich unbedingt, dass die Famulaturen Vollzeitpraktika an fünf Tagen die Woche sind. Sie neben den regulären Studienveranstaltungen zu absolvieren, wird deshalb schwierig. Natürlich könnt ihr auch ein Urlaubssemester nehmen und in dieser Zeit alle Famulaturen nacheinander absolvieren. Wie gesagt – hier seid ihr relativ flexibel.

Auch was den Durchführungsort anbelangt, habt ihr viele Wahlmöglichkeiten. Neben Allgemeinärzt*innen kommen auch Kinderärzt*innen oder Internist*innen ohne Schwerpunktbezeichnung für die Hausarztfamulatur in Frage. Wichtig ist, dass die Ausbilder*innen vom jeweiligen Landesprüfungsamt als solche anerkannt werden. Das ist in den meisten Fällen aber reine Formsache.

Macht euch unbedingt auch Gedanken, ob ihr eure Hausarztfamulatur in der Stadt oder im ländlichen Raum absolvieren möchtet. Gerade auf dem Land dürfte es einfacher sein, einen Platz zu finden. Außerdem gibt euch das die tolle Chance, einmal in den abwechslungsreichen Arbeitsalltag von Landärzt*innen hineinzuschnuppern – und das ganz unverbindlich.

Förderung der Hausarztfamulatur

Wie auch die anderen zu absolvierenden Famulaturen wird die Hausarztfamulatur eigentlich nicht vergütet. Weil sie aber Pflicht ist und wir sie unglaublich wichtig finden, bietet die KV Hessen Studierenden eine finanzielle Förderung von 595,00 € monatlich an, wenn sie die Famulatur in einer Einrichtung der hausärztlichen Versorgung im ländlichen Raum durchführen. Informiert euch gleich hier über die Bewerbung und alle Förderungsvoraussetzungen.

Bewerbung für die Hausarztfamulatur

Wenn ihr auf der Suche nach einem Platz für eure Hausarztfamulatur seid, dann findet ihr online Stellenbörsen, in denen Praxen Plätze ausschreiben. Habt ihr schon eine Praxis oder Einrichtung ins Auge gefasst? Dann fragt einfach einmal nach, ob generell Famulaturplätze angeboten werden. Im Idealfall könnt ihr bereits euren Wunschzeitraum benennen und so konkret erfahren, ob in dieser Praxis eine Chance auf einen Platz besteht. Übrigens: Es kann auch hilfreich sein, einfach mal bei Studierenden aus höheren Semestern zu fragen, wo sie ihre Famulaturen verbracht haben und ob sie die Praxis weiterempfehlen können. Solche Informationen aus erster Hand sind Gold wert!

Fazit: Hausarztfamulatur – Pflichtfamulatur mit Gestaltungsspielraum

Um die Hausarztfamulatur kommt niemand herum. Aber wer nach einer Praxis sucht, die zu den eigenen Lernwünschen passt, kann aus diesen vier Wochen viel mitnehmen. Hausärzt*innen leisten jeden Tag wichtige medizinische Basisversorgung und haben ein sehr breites Behandlungsspektrum, das viele Berührungspunkte mit anderen Fachgebieten aufweist. Auch wenn ihr später nicht in der Allgemeinmedizin arbeiten möchtet, könnt ihr in dieser Famulatur grundlegendes Wissen über Praxisabläufe und wichtige praktische, medizinische Grundlagen erwerben. Das wird euch nicht nur in weiteren Famulaturen, sondern auch im Praktischen Jahr oder eurer Zeit als Assistenzärzt*in nützlich sein.

Viele weitere Infos zu den Famulaturen findet ihr in unserem Blogbeitrag. Informiert euch auch unbedingt über unsere einfach zu beantragenden Fördermöglichkeiten für die Hausarztfamulatur.

 

 

 

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