Famulatur: Das musst du wissen!

Famulatur: Das musst du wissen!

Jedes Studium sieht irgendeine Form von Praxis vor. Aber vermutlich gibt es nur wenige Studiengänge, in denen die praktischen Phasen so genau definiert und von vornherein festgelegt sind wie die Medizin. Gerade im zweiten, klinischen Abschnitt des Studiums wartet mit der Famulatur ein spannender Einblick in die Tätigkeit als Ärzt*in auf euch. Es lohnt sich also, sich Dauer, Aufbau und Ablauf der Famulatur einmal näher anzuschauen.

Ein Begriff, vier Phasen

Der Begriff „Famulatur“ kann in die Irre führen, denn er erweckt den Eindruck, es handele sich dabei nur um ein einziges Praktikum. Das stimmt so aber nicht. Denn darunter subsumieren sich vier Praxisphasen a 30 Tagen, also insgesamt 120 Tage belaufen. Achtet also unbedingt darauf, immer volle 30 Kalendertage (und nicht etwa 4 Wochen) abzuleisten und bescheinigt zu bekommen, denn sonst kann eure Famulatur als ungültig abgelehnt werden – und die Famulaturzeugnisse braucht ihr für die Anmeldung zum Praktischen Jahr. Alle Famulaturen sind in den vorlesungsfreien Zeiten, also den Semesterferien bzw. den offiziellen Ferien (etwa über Weihnachten) zu absolvieren. Alternativ könnt ihr dafür aber auch ein Urlaubssemester nehmen und die Famulaturen nacheinander am Stück ableisten.

Egal für welche Variante ihr euch entscheidet – bis zur Zweiten Ärztlichen Prüfung müsst ihr die Nachweise beisammenhaben. Ihr habt also gemessen an der Regelstudienzeit vier Jahre Zeit dafür. Was ihr bei der Planung und Organisation unbedingt bedenken solltet: Die Famulaturen sind Vollzeitpraktika, also ganztägig an fünf Tagen die Woche zu absolvieren, und im Normalfall nicht vergütet. Euren Nebenjob oder weitere in den vorlesungsfreien Zeiten zu erbringende Leistungen müsst ihr also darauf abstimmen bzw. vielleicht sogar eine Zeitlang verschieben.

Vier Phasen, drei Stationen

Aber nicht nur, wie lange die Famulaturen dauern und bis wann sie abzuleisten sind, ist klar geregelt. Auch das „Wo“ steht von vornherein fest. Ihr durchlauft in den Famulaturen nämlich insgesamt drei Stationen der Patientenversorgung:

Stationär: Zwei Famulaturen sind in einem Krankenhaus oder alternativ in einer stationären Rehabilitationseinrichtung zu absolvieren.

Ambulant: Eine Famulatur muss in einer ambulanten, ärztlich geleiteten Einrichtung abgeleistet werden. Darunter fallen nicht nur Arztpraxen, sondern auch Ambulanzen, Notaufnahmen oder Polikliniken.

Hausärztlich: Seit 2012 ist ein weiterer Monat der Famulatur im hausärztlichen Versorgungsbereich Pflicht. Dazu gehören neben Allgemeinärzten auch Kinderärzte sowie Internisten, die keine Schwerpunktbezeichnung aufweisen.

Spezielle Regeln einzelner Bundesländer und Auslandsaufenthalte

Für Medizinstudierende in Hessen gilt: Die Famulatur muss in vier Abschnitten von je 30 Tagen abgeleistet werden. Andere Bundesländer, zum Beispiel Baden-Württemberg oder Schleswig-Holstein, lassen hingegen auch eine Aufsplittung in Intervalle von 15 Tagen zu. Es lohnt sich also, sich vorab zu informieren, was an eurem Studienort bzw. in eurem Bundesland möglich ist oder nicht.

Famulaturen könnt ihr grundsätzlich auch im Ausland durchführen. Tatsächlich wählen jedes Jahr viele Studierende diesen Weg, praktische Erfahrung und Auslandsaufenthalt zu kombinieren. Informiert euch einfach mal an eurer Uni oder bei Austauschorganisationen. Die Anerkennung ist in der Regel problemlos möglich, wenn die oben genannten Regeln (Dauer, Station) erfüllt sind und ihr ein entsprechendes Zeugnis (auf Deutsch oder als beglaubigte Übersetzung) vorlegen könnt.

Unsere Unterstützung für eure Famulatur!

Die vier Famulaturabschnitte sind spannende Möglichkeiten, zum ersten Mal richtig in euren zukünftigen Beruf hineinzuschnuppern und vielleicht sogar schon Fachgebiete zu entdecken, mit denen ihr euch nach dem Studium vertieft beschäftigen möchtet. Nichtsdestotrotz ist die Organisation und Finanzierung der Famulaturen nicht immer einfach. Deshalb unterstützen wir euch dabei. Die KV Hessen fördert euch z. B. bei eurer Famulatur in einer hausärztlichen Praxis in einer ländlichen Region Hessens. Und das für bis zu 60 Tage, wenn ihr die Abschnitte ambulante und hausärztliche Patientenversorgung dort kombiniert absolviert. Informiert euch gleich hier über diese und alle weiteren unserer Förderungsmöglichkeiten für Medizinstudierende.

 

 

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