Praxis.erleben!-Tour ein voller Erfolg

Praxis.erleben!-Tour ein voller Erfolg

Allgemein Niederlassen!

Medizinstudierende zeigen sich von der ersten Tour durch hessische Arztpraxen begeistert

Die Premiere ist geglückt. Einen Tag lang konnten Medizinstudierende von unterschiedlichen Universitäten in Hessen einen Blick in den Alltag ausgewählter Landärzte werfen, Fragen stellen und sich umfassend und aus erster Hand informieren. Die einhellige Meinung am Ende des Tages: Das hat sich mal so richtig gelohnt.

Es gibt Dinge, die stehen in keinem Lehrbuch. Echte Erfahrungen aus dem Leben eines Landarztes gehören definitiv dazu. Deshalb haben wir interessierten Studierenden die Möglichkeit gegeben, sich in drei ländlicheren Praxen umzusehen und einen Einblick in das (Praxis-)Leben und die Herausforderungen als Landarzt zu erhalten. Dazu ging es rund um Gießen zu verschiedenen Ärzten und in unterschiedliche Praxisformen.

Persönliche Einblicke – in der Landarztpraxis in Gemünden

Vor allem die Auswahl der Praxen kam bei den Teilnehmern richtig gut an. Für einen gelungenen Start und Begeisterung bei den Studierenden sorgte zunächst Michael Buff von der Hausärztepraxis Gleen-Felda. Der passionierte Hausarzt führte seine Gäste zunächst durch die Räumlichkeiten seiner Praxis in Gemünden im Vogelsbergkreis und nahm sich anschließend Zeit für eine Gesprächs- und Fragerunde mit den Nachwuchsärzten. Er erklärte, warum ihm die Arbeit als Hausarzt besonders gut gefällt, und beantwortete auch ganz persönliche Fragen. Ob enge Freundschaften mit schwer kranken Patienten, der Umgang mit eigenen Fehlern oder auch finanzielle Aspekte des Hausarzt-Daseins – Michael Buff zeigte sich offen, gewährte tiefe Einblicke in seinen Alltag und hatte für die Studierenden sogar einen guten Tipp: „Ein Hausarzt muss zuhören können und sich Zeit nehmen für seine Patienten“, so Buff, der zudem deutlich machte, dass die Niederlassung richtig Spaß macht: „Nicht immer, aber fast immer.“ Miriam Hesse, Medizinstudentin an der Universität Marburg, fasste zusammen: „Dass wir so viele Fragen stellen und derart offen mit Herrn Buff sprechen konnten, hat mir für meine Zukunft sehr viel gebracht.“

Spezialthemen – in der Kinder- und Jugendarztpraxis in Pohlheim

Interessant waren für die Ärzte von morgen auch die verschiedenen Sichtweisen der unterschiedlichen Ärzte. Während Michael Buff der Meinung ist, dass ein „normaler“ Hausarzt auch Kinder mit „Kleinigkeiten“ wie Husten, Schnupfen und Heiserkeit behandeln kann, sahen die Kinderärzte Dr. Peter Leitzmann und Dr. Florian Gamerdinger aus der Kinder- und Jugendarztpraxis Pohlheim, der zweiten Station der Tour, das völlig anders. Für die Medizinstudierenden ergab sich so eine spannende Fülle an Eindrücken.

Mit den beiden Kinderärzten sprachen die Studierenden vor allem über Themen wie die Gesprächsführung mit Eltern, die speziellen Herausforderungen bei der medizinischen Behandlung von Kindern und die große Verantwortung – beispielsweise gegenüber den Mitarbeitern –, die eine eigene Niederlassung mit sich bringt. Beide waren sich dennoch einig: „Den Gang in die Selbstständigkeit haben wir – wie auch die meisten unserer Kollegen – nie bereut.“ Da sich inzwischen vor allem weibliche Ärzte für die Kindermedizin entscheiden, ging es zudem um die Vereinbarkeit von Familie und Arztberuf. Dr. Leitzmann wies in diesem Zusammenhang darauf hin, dass Frauen in der Klinik heute leider immer noch 150 Prozent geben müssten. Eine Niederlassung sei daher eine interessante Alternative.

Gemeinsam stark – in der Gemeinschaftspraxis in Dilltal

Die dritte und letzte Etappe der Tagestour beeindruckte dann schon allein durch die schiere Größe – denn eine Gemeinschaftspraxis mit insgesamt zehn Ärzten sieht man schließlich nicht alle Tage. Im Gespräch mit Ärztin Meike Müller und Praxismanagerin Manuela Gehrmann ging es daher insbesondere um den organisatorischen Aufwand in einer derart großen Praxis. Auch wegen des starken Kontrasts zu den ersten beiden eher kleineren Praxen ein perfekter Abschluss der ersten Praxis.erleben!-Tour. „Die Auswahl der Praxen war wirklich gut. Mir war vorher nicht klar, welche unterschiedlichen Möglichkeiten sich mir in der Niederlassung bieten“, freute sich Jessica Scheuermann, die ebenfalls in Marburg studiert, über die zahlreichen und intensiven Eindrücke und Erlebnisse des Tages. Beim abschließenden Essen im Dachcafé in Gießen konnte der Tag dann gemeinsam bei gutem Essen und intensiven Diskussionen entspannt ausklingen.

Nach der Tour ist vor der Tour

Wenn ihr jetzt auch Lust habt, echte Eindrücke vom Arbeitsalltag hessischer Landärzte zu erhalten oder eines der weiteren tollen Angebote der KV Hessen auszuprobieren, dann meldet euch an. Als Mitglieder des MedWisser Teams erwartet euch eine große Community, jede Menge Tipps und Hintergründe zu eurem Studium und immer wieder spannende Aktionen.

„Praxis.erleben!“ – live, vor Ort und in Farbe

„Praxis.erleben!“ – live, vor Ort und in Farbe

Niederlassen!

Echte Einblicke gibt’s nur im echten Leben. Deshalb nehmen wir euch jetzt mit in die Praxis. Wir zeigen euch, was es heißt, als Arzt jeden Tag für die Menschen und ihre Probleme, aber natürlich auch für ihre Krankheiten da zu sein.

Von kleinen Wehwehchen bis zum großen Check-Up – als selbstständiger Arzt ist man jeden Tag mit den verschiedensten Herausforderungen konfrontiert. Damit ihr euch jetzt schon einen ersten Eindruck vom Alltag eines praktizierenden Arztes machen könnt, bringen wir euch in verschiedene Praxen in ganz Hessen und ermöglichen euch so einen ersten intensiven Einblick.

Erlebt, was es bedeutet in einer Landarztpraxis zu arbeiten, schaut verschiedenen Ärzten einer Gemeinschaftspraxis über die Schultern und besucht einen hochmodernen Praxisneubau.

Macht euch ein eigenes Bild auf der „Praxis.erleben!“-Tour am 14.11.2017 in diesen Praxen:

Die Tour startet am 14.11.2017 in Gießen und ist für euch selbstverständlich kostenlos und all-inclusive. Das heißt für Transport, Transfer aus Frankfurt und Marburg nach Gießen, sowie die Verpflegung sorgen wir!

Du willst dich anmelden? Als Teil des MedWisser Teams ist das kostenlos möglich.

Hier geht’s zu weiteren Infos und der Anmeldung.

Die große Chance für den Ärztenachwuchs

Die große Chance für den Ärztenachwuchs

Allgemein Niederlassen!

Medizinstudierende von heute werden gebraucht, um den drohenden Ärztemangel von morgen zu verhindern.

Sicher habt auch ihr es schon mitbekommen: Die ambulante Versorgungslage in Hessen (und in Deutschland) wird sich in den nächsten Jahren verschlechtern, bis zum Jahr 2030 sogar dramatisch zuspitzen. Es drohen Ärztemangel und Unterversorgung – vor allem in den ländlicheren Gebieten. Zu dieser Prognose kommt unsere neue Publikationsreihe FOKUS: GESUNDHEIT (Download).

Wie aber ist es möglich, dass wir in Hessen trotz konstant wachsender Zahl der Medizinstudierenden in den nächsten Jahren zu wenige Ärztinnen und Ärzte haben? Ganz einfach: Immer weniger Nachwuchsärztinnen und -ärzte möchten, z. B. als Allgemeinmedizinerin oder -mediziner, in die ambulante Versorgung gehen. Sich mit einer eigenen Praxis niederzulassen oder als angestellter Haus- oder Facharzt zu praktizieren, ist für viele leider keine Option. Und das, wo der Bedarf an ambulanter Versorgung beinahe von Jahr zu Jahr größer wird. Ein weiterer wichtiger Aspekt: Die Medizin ist und wird zunehmend weiblich. Das seht ihr, wenn ihr euch in den Hörsälen umschaut. Und das wiederum bedeutet, dass Themen wie Teilzeitarbeit und Vereinbarkeit von Familie und Beruf eine noch größere Rolle spielen als bisher.

Ohne Nachwuchs keine Praxen

Ihr, die Ärztinnen und Ärzte von morgen, werdet also dringend gebraucht. Wie dringend, macht eine Zahl aus dem hausärztlichen Bereich deutlich: 65 Prozent, also etwa sieben von zehn derzeitigen Praxisinhaberinnen und -inhabern, werden sich bis 2030 zur Ruhe setzen. Im Idealfall geben sie ihre Praxen an eine junge Nachfolgerin oder einen jungen Nachfolger ab. Und genau da kommt ihr ins Spiel.

Sicher, bis zum Jahr 2030 ist es noch eine ganze Weile hin. Und während eures Studiums habt ihr bestimmt erst einmal andere Sorgen. Aber: Ihr seid die nächste Ärztegeneration. Durch euch ist es möglich, die Versorgung in allen Regionen Hessens auch in den nächsten Jahren sicherzustellen.

Eigener Chef(-arzt) sein

Auch wenn ihr euch im Moment noch nicht vorstellen könnt, beispielsweise als Facharzt für Allgemeinmedizin zu praktizieren, solltet ihr wissen, dass die Situation für euch eine große Chance ist. Der Hausarztjob hat nämlich eine Menge zu bieten und ihr werdet Teil einer immer begehrteren, weil selteneren Berufsgruppe: Ihr könnt euer eigener Chef(-arzt) sein und habt die wirklich tolle Gelegenheit, eure Patienten über einen langen Zeitraum zu begleiten und eine enge Arzt-Patienten-Beziehung aufzubauen. Ihr habt es mit vielfältigen Krankheitsbildern zu tun und steht jeden Tag vor neuen Herausforderungen. Und, ihr verdient als Hausarzt wirklich gutes Geld. Über 220.000 Euro waren es durchschnittlich im Jahr 2015 in Hessen an Honorarumsatz. Ganz ohne Nacht- und 24-Stunden-Schichten.

Außerdem werdet ihr natürlich die Möglichkeit haben, euch unter super geführten und wirtschaftlich erfolgreichen Praxen die passende herauszusuchen. Noch dazu habt ihr wahrscheinlich die freie Wahl, wo in Hessen ihr euch niederlassen möchtet. Denn – ob Praxisübernahme oder Neugründung – in den nächsten Jahren warten viele freie Arztsitze auf euch.

Klingt gut, eine Praxis auf dem Land könnt ihr euch aber so gar nicht vorstellen? Dann überlegt doch einfach mal, was eigentlich dagegen spricht. Hat so eine Praxis nicht auch echte Vorteile? Sie hat! So ist beispielsweise die Konkurrenzsituation, sagen wir mal, ein wenig komfortabler, als in Frankfurt, Kassel oder Darmstadt. Denn während in den Großstädten die nächste Arztpraxis direkt um die Ecke ist, seid ihr in der Kleinstadt vielleicht sogar die einzige Ärztin bzw. der einzige Arzt. Und die Patienten werden nicht weniger. Kurzum: Eine „Landarztpraxis“ ist in vielerlei Hinsicht viel attraktiver, als die meisten von euch glauben.

 

Viele Informationen rund um die Niederlassung findet ihr auch in unserer Broschüre „Lass dich nieder!“ (Download).

„Ich wäre sofort wieder dabei!“

„Ich wäre sofort wieder dabei!“

Niederlassen!

Die erste Summerschool in Willingen ist vorbei. Ramazan war als Teilnehmer mit dabei und hat uns in einem kurzen Interview erzählt, wie es ihm gefallen hat.

Arzt in Hessen: Ramazan, du bist bei der Premiere der Summerschool in Willingen mit dabei gewesen. Wie hat es dir gefallen?
Ramazan: Kurz gesagt: Richtig gut! Die Summerschool war die perfekte Mischung. Vormittags gab es interessante Seminare und nachmittags sorgten eine geführten Mountainbike-Tour und eine Kletterpartie im Hochseilgarten für Abwechslung. Passend zum Motto „Morgens Theorie, nachmittags Socializing“. Wir konnten sogar den Wellnessbereich des Hotels nutzen, das war super. Insgesamt war es ein tolles verlängertes Wochenende in ganz entspannter Lernatmosphäre.

Arzt in Hessen: Mit welchen Erwartungen bist du denn nach Willingen gekommen?
Ramazan: Der Gedanke, mich später einmal als Arzt niederzulassen, begleitete mich schon mein ganzes Studium lang. Ich hatte daher viele Fragen zu den finanziellen, organisatorischen und auch arbeitsrechtlichen Aspekten einer Niederlassung. Von der Summerschool habe ich mir möglichst viele Antworten erhofft – und ich wurde nicht enttäuscht. Ich kann sogar sagen: Meine Erwartungen wurden dank der vielen interessanten Informationen und Gespräche sogar übertroffen.

Arzt in Hessen: Du konntest also etwas für deinen weiteren Weg als Arzt mitnehmen?
Ramazan: Ja, absolut. Ich habe zum Bespiel viel über die verschiedenen Niederlassungsformen sowie deren Vor- und Nachteile erfahren. Außerdem bin ich nun in Sachen Bedarfsplanung und Finanzierungsmöglichkeiten deutlich fitter als vorher. Wichtig war für mich auch die Erkenntnis, dass mir die KV Hessen als Ansprechpartner rund um die Niederlassung immer zur Seite steht.

Arzt in Hessen: Die Summerschool hat dich also darin bestärkt, dich später einmal als Arzt niederzulassen?
Ramazan: Das kann man definitiv so sagen. Viele meiner Bedenken und offenen Fragen haben sich durch die Summerschool quasi in Luft aufgelöst. Denn mit dem neuen Wissen habe ich jetzt eine aktualisierte Basis für meine weiteren Überlegungen.

Arzt in Hessen: Würdest du denn noch einmal an der Summerschool teilnehmen bzw. anderen Studenten eine Teilnahme empfehlen?
Ramazan: Ich wäre sofort wieder dabei! Die Teilnahme an der Summerschool ist auf jeden Fall sinnvoll, wenn man sich eine Niederlassung vorstellen kann und mehr darüber erfahren möchte. Die Organisation war perfekt und die Inhalte sowie das Rahmenprogramm waren klasse. Ich kann die Summerschool wirklich empfehlen und möchte mich beim Team auf diesem Weg noch einmal für die vier Tage bedanken.

Unser Lesetipp: Falk Stirkats „111 Gründe, Arzt zu sein“

Unser Lesetipp: Falk Stirkats „111 Gründe, Arzt zu sein“

Niederlassen!

Warum habt ihr euch eigentlich für das Medizinstudium entschieden? Klar, ihr möchtet Arzt werden, und dazu muss man schließlich Medizin studieren. Aber warum Arzt? Was ist das Besondere am Arzt sein? Die Antwort weiß Falk Stirkat: Denn für den Notfallmediziner – so ist es im Untertitel seines aktuellen Buches zu lesen – ist es ganz einfach der „schönste Beruf der Welt“.

111 Gründe, Arzt zu sein“ ist eine Hommage an den Arztberuf – und für euch absolut lesenswert. Denn Falk Stirkat macht auf jeder Seite deutlich, warum er seinen und euren zukünftigen Job so liebt. Und das besonders unterhaltsam, denn er nimmt sich, seine Kollegen und damit unter anderem euch auch mal auf die Schippe. So lautet sein 56. Grund, Arzt zu sein:  „Weil man Proktologe werden kann – aber zum Glück nicht muss.“

Wir wünschen viel Spaß beim Lesen!

111 GRÜNDE, ARZT ZU SEIN - 3D - HiRes_Fotonachweis-Emotion in Frames Photographie

Falk Stirkat
111 GRÜNDE, ARZT ZU SEIN
Eine Hommage an den schönsten Beruf der Welt
256 Seiten | Taschenbuch
ISBN 978-3-86265-551-9
9,99 EUR (D)
Schwarzkopf & Schwarzkopf Verlag, Berlin 2016

Foto: Emotion in Frames Photographie

Hausärzte braucht das Land

Hausärzte braucht das Land

Niederlassen!

Die bundesweite Medizinerdichte nimmt zu, und das seit vielen Jahren. 4,1 praktizierende Ärzte pro 1.000 Einwohner waren es zuletzt. Das zeigt der kürzlich vom Wissenschaftlichen Institut der AOK (WIdO) veröffentlichte Ärzteatlas 2016.

Die Zahlen stimmen also. Doch wo sind die Ärzte eigentlich niedergelassen? Auffällig ist, dass sich immer mehr Fach- und Hausärzte in den Großstädten tummeln. Beliebte Orte für eine Niederlassung sind pulsierende Städte wie Berlin, München, Hamburg oder auch Frankfurt. Kurzum: Die große Mehrheit der berufstätigen Ärzte lebt und praktiziert in den Ballungsgebieten. Auch den Medizinernachwuchs zieht es verstärkt in die Metropolen, also dorthin, wo auch außerhalb der Praxis etwas geboten ist. Nicht umsonst ist die sogenannte Work-Life-Balance in aller Munde – auch bei Ärzten. Das gilt insbesondere für den steigenden Anteil junger Ärztinnen, die neben ihrer ärztlichen Tätigkeit oftmals auch eine Familie gründen möchten.

Schwierige Nachfolgersuche

Wie aber sieht es in den ländlichen Region Deutschlands aus, wenn immer mehr Mediziner den Weg in die Stadt suchen? Die Situation ist zumindest nicht einfach. Insbesondere im hausärztlichen Bereich, in dem rund ein Drittel der Ärzte mindestens 60 Jahre alt ist, gestaltet sich die Suche nach möglichen Praxisnachfolgern immer schwieriger. Denn zum einen hält die heranwachsende Medizinergeneration das Leben auf dem Land für wenig attraktiv und zum anderen können sich immer weniger Medizinstudierende und junge Ärzte überhaupt eine Tätigkeit als Allgemeinmediziner bzw. Hausarzt vorstellen. Dabei ist ärztlicher Nachwuchs in den kommenden Jahren vor allem in diesen Bereichen notwendig.

Für Allgemeinmedizin begeistern

Die KV Hessen versucht daher, Studierende an den Universitäten in Hessen und Nachwuchsärzte für die Allgemeinmedizin zu begeistern. Dazu hat die KV bereits vor drei Jahren die Kampagne „Arzt in Hessen – Sei Arzt. In Praxis. Leb Hessen.“ ins Leben gerufen. Mit verschiedenen Veranstaltungen, Aktionen und Informationsmaterialien sollen die jungen Mediziner über die Situation in der Allgemeinmedizin aufgeklärt und für eine spätere Niederlassung als Hausarzt gewonnen werden. Weitere Angebote wie die neue Förderung der Famulatur in einer hausärztlichen Praxis oder das Doc’s Camp sollen ebenfalls dabei unterstützen, dass auch die allgemeinmedizinische Versorgung weiterhin überall gesichert ist.

Hier gibt es den Ärzteatlas 2016 zum Download.

Mehr als Omas Liebling

Mehr als Omas Liebling

Niederlassen!

„Nur Hausarzt?“ –  Fachärzte für Allgemeinmedizin bekommen manchmal Vorurteile ihrer Kollegen zu spüren. Dr. Carina Strube kann über solche Kommentare locker weghören, denn sie ist Hausärztin aus Überzeugung. In Selters teilt sie sich mit zwei Kollegen eine hausärztliche Gemeinschaftspraxis. Wir haben mit ihr über ihren Beruf als Berufung, die Vereinbarkeit von Arbeit und Familie und die Herausforderungen als Landarzt gesprochen.

Hausärztin zu werden, ist das von Anfang an Ihr Ziel gewesen, als Sie das Studium begonnen haben?

Carina Strube: Zuerst habe ich überlegt, Biologie zu studieren. Aber ich wollte auch immer schon mit Menschen arbeiten und meine Zeit nicht im Labor verbringen.

Ist die Arbeit als Hausärztin auch Typsache?

Carina Strube: Wie gesagt, ich mag die Arbeit mit und am Menschen. Hausärztin kann man nicht nur der Medizin wegen werden. Ich muss eine Mischung aus Ärztin, Sozialarbeiterin, Pädagogin, Eheberaterin und Mädchen für alles sein. Ich habe auch schon der alten Dame, die partout wegen ihres Wellensittichs nicht ins Krankenhaus wollte, zwei Wochen lang den Vogel gefüttert, damit sie sich auf die nötige Operation einlässt. Hausärzte haben eine enge Bindung zu ihren Patienten. Wie oft könnte ich mich eigentlich nur auf die zu behandelnden Kopfschmerzen oder die Schlaflosigkeit konzentrieren? Aber ich muss den Patienten in seiner Gesamtheit sehen. Und wenn im Laufe des Gesprächs herauskommt, dass es in der Ehe Probleme gibt oder man im Job überlastet ist, hat das auch Einfluss auf die Behandlung. So zu arbeiten, das muss man wollen, und nicht jeder ist ein Typ dafür.

Ihre Praxis in Selters ist eher in einer ländlichen Region. Unterscheiden sich Ihre Patienten von denen zum Beispiel in Frankfurt oder Kassel?

Carina Strube: In den Städten, wo es mehr Ärzte gibt, ist wahrscheinlich die Rate beim „Arzthopping“ höher – und die Arzt-Patienten-Bindung in vielen Fällen nicht so ausgeprägt. Dadurch, dass der Ort weniger anonym ist, sieht man sich auch öfter außerhalb der Praxis. Beim Einkaufen oder Laufen kennt mich jeder. Der ganze Ort kennt meine Familie. Ich mag das aber und gehe deshalb nicht drei Orte weiter einkaufen oder laufe woanders.

Und wie werden Sie von Kollegen der anderen Fachgruppen wahrgenommen?

Carina Strube: In der Kollegenschaft herrscht sicherlich das eine oder andere Vorurteil gegenüber uns Allgemeinmedizinern. Da heißt es schon mal: „Ach, du bist nur Hausärztin?“. Ich stehe drüber. Wir sind oft der wichtigste Arzt für die Menschen. Ich sage immer: „An nichts stirbt es sich so leicht wie an einem schlechten Hausarzt.“ Was wir nicht entdecken, bekommt der Facharzt oft gar nicht zur Behandlung zu Gesicht. Wenn ich nicht erkenne, dass das Kribbeln in der rechten Hand ein Schlaganfall ist und nichts mit der Halswirbelsäule zu tun hat und meinen Patienten entsprechend überweise, gibt es auch keinen Neurologen, der den Schlaganfall behandeln kann.

Sie sind verheiratet und Mutter einer zweieinhalb Jahre alten Tochter. Wie verbinden sich bei Ihnen Berufs- und Privatleben?

Carina Strube: Die Gemeinde Selters ermöglicht uns einen Krippenplatz, obwohl wir nicht unmittelbar hier wohnen. Ich habe es so organisiert, dass mein Kind auch darüber hinaus betreut ist. Ein Balanceakt wird es, wenn die Kleine krank wird oder etwas Unvorhergesehenes passiert. Meine Schwiegereltern wohnen in der Nähe und können mal einspringen, aber das klappt auch nicht immer.

War das so für Sie abzusehen?

Carina Strube: Meine persönliche Familienplanung sah mal drei Kinder vor. Daran ist nicht mehr zu denken, nachdem ich hier den Vertragssitz übernommen habe. Und ich kann und will meinen Patienten nicht sagen, dass ich mich ein, zwei Jahre verabschiede und sie einem Vertreter überlasse. Ich würde in der Zeit sicherlich einige Patienten verlieren. Aber: Ich hadere nicht mit meinem Beruf und der Situation! Hausärztin ist für mich der absolute Traumjob. Deshalb habe ich mein Lebens- und Familienmodell so gewählt.

Das heißt, Sie werden auch längerfristig dem ländlichen Praxisalltag treu bleiben?

Carina Strube: Meine Kollegin Dr. Engels und ich stehen noch am Anfang unserer Zeit als niedergelassene Ärzte. Wir bekommen mit, dass unsere Patienten glücklich sind. Und das bringt man uns auch entgegen. An dieser Situation möchte ich nichts ändern.

Doc’s Camp – Dein Wegbegleiter in die eigene Praxis

Doc’s Camp – Dein Wegbegleiter in die eigene Praxis

Niederlassen! Rund um die Weiterbildung

Das Medizinstudium liegt hinter dir und als Arzt in Weiterbildung oder Assistenzarzt stehst du schon mitten im Arztberuf? Du kannst dich mit dem Gedanken einer Niederlassung anfreunden, bist dir aber unsicher, wie du den Weg in die eigene Praxis am besten gehst? Dann ist das Doc’s Camp der KV Hessen vielleicht etwas für dich!

Im Rahmen des Doc’s Camps begleitet dich die KV Hessen über zwei Jahre lang und macht dich so fit für die eigene Praxis. Bestandteil des Programms sind zwölf modulare Blockveranstaltungen, bei denen dir Fachreferenten wichtige Grundlagen vermitteln, die du für deine zukünftige Rolle als niedergelassener Arzt und Chef brauchst – und die im Medizinstudium eher selten Thema sind. Dabei spielen zum Beispiel wirtschaftliche, rechtliche und technische Aspekte eine Rolle.

Lernen von den Profis!

Neben den Fachvorträgen bietet dir die KV Hessen außerdem ein Mentoringprogramm mit niedergelassenen Ärzten verschiedener Fachrichtungen. So kannst du von den Erfahrungen derer profitieren, die den Schritt in die eigene Praxis bereits erfolgreich gemeistert haben. Los geht das Doc’s Camp übrigens am 1. September 2016. Außerdem gut zu wissen: Die Teilnahme ist für dich kostenfrei.

Du willst mehr über das Programm wissen und dich anmelden? Hier geht’s lang:

Infos und Anmeldung zum Doc’s Camp 2016 – 2018

Back to School – Fit für die Niederlassung mit der KV Hessen

Back to School – Fit für die Niederlassung mit der KV Hessen

KVH transparent Niederlassen!

Sich nach dem Studium niederlassen? Leichter gesagt als getan, denkt ihr jetzt vielleicht. Denn welche Möglichkeiten es in der vertragsärztlichen Versorgung gibt und wie genau man das eigentlich anstellt mit der eigenen Praxis, ist Medizinabsolventen oft alles andere als klar. Gut, dass sich die KV Hessen da was für euch hat einfallen lassen. 🙂

Beim neuen Format in Sachen Nachwuchsförderung, Summerschool und Winterschool geben vormittags qualifizierte Referenten ihr Fachwissen rund um das Thema Niederlassung direkt an euch weiter, danach stehen Socializing, Spaß und Kulinarisches auf der Tagesordnung. Dabei holt euch die KV raus aus den Unistädten und rein in den nördlichen Zipfel Hessens, genauer gesagt nach Willingen.

Zahlen müsst ihr vor Ort nichts: Übernachtung im Hotel, Verpflegung, Seminar und Freizeitprogramm sind kostenfrei. Was genau euch vor Ort erwartet und wie ihr euch anmelden könnt, erfahrt ihr auf der Homepage der KV Hessen:

Summer- und Winterschool

Das Einmaleins der Niederlassung – MVZ und Anstellung

Das Einmaleins der Niederlassung – MVZ und Anstellung

Niederlassen!

Nachdem wir euch mit Berufsausübungsgemeinschaft, Praxisgemeinschaft und Jobsharing bereits drei Klassiker der Niederlassungsformen vorgestellt haben, gibt es heute noch einmal einen Nachschlag.

Medizinisches Versorgungszentrum (MVZ)

In einem Medizinischen Versorgungszentrum arbeiten Ärztinnen und Ärzte unterschiedlicher Fachrichtungen zusammen und bieten so vielfältige Leistungen für Versicherte unter einem Dach an. Die Mediziner im MVZ können als Zugelassene oder Angestellte arbeiten. Sie nutzen Räume und medizinische Geräte zusammen und betreuen einen gemeinsamen Patientenstamm.

Anstellung

Wenn du nicht sofort selbstständig sein willst, kannst du auch im Angestelltenverhältnis in den Beruf starten. Das geht in einem Medizinischen Versorgungszentrum oder auch bei einem einzelnen Vertragsarzt. Beim Jobsharing gibt es ebenfalls die Variante, bei der eine Praxisinhaberin bzw. -inhaber jemanden im Modell Jobsharing anstellt.